Be data driven: Der Unterschied zwischen Kreisklasse und Weltklasse?

Wenn am 12. Juni in Sao Paulo das erste Spiel der Fußballweltmeisterschaft 2014 angepfiffen wird, schaut die Welt gebannt für einen Monat nach Brasilien. Fasziniert von einem Sport der trotz seiner langen Tradition seine Einfachheit bewahrt hat. Diese Schlichtheit ermöglicht es, dass Menschen auf der ganzen Welt, unabhängig von Alter oder Talent, dem runden Leder nachjagen können. Doch mit steigender Professionalität beschränkt sich die Einfachheit zunehmend auf die Grundzüge des Spiels. Abseits des Platzes werden die Unterschiede zwischen Freizeitkickern und Vollprofis immer größer.

Datenanalyse als Erfolgsfaktor im Profifußball

Wo im Amateurbereich abseits von Punkten und Toren kaum belegbare Leistungskennzahlen existieren setzt der Profisport zunehmend auf die Macht der Zahlen. Laufwege, Zweikämpfe, Torschüsse – der Fußball wird zu einem Big Data Phänomen. Beim Streben nach dem maximalen Erfolg setzen die Trainer auf die Erkenntnisse aus den Daten. Die tägliche Trainingsarbeit basiert auf detaillierten Leistungsdiagnostiken und der genauen Kenntnis über Stärken und Schwächen der Spieler.  Der Deutsche Fußball Bund setzt beispielsweise für die Weltmeisterschaft in Brasilien auf Spielanalysen in Echtzeit und die präzise Erfassung von Laufwegen und Pässen für jeden Spieler.

Heatmap zu den Laufwegen eines Profifußballers (Quelle: www.abseits.at)
Heatmap zu den Laufwegen eines Profifußballers (Quelle: abseits.at)

Dank der analytischen Fähigkeiten des Physikers Stephen Hawking kennen sogar die wenig erfolgsverwöhnten Engländer ihre Erfolgsformel für die Fußballweltmeisterschaft 2014.

Doch nicht nur die eigene Mannschaft steht im Fokus der Datenanalyse. Innovative Analysemethoden erweitern das Scouting zukünftiger Gegner und verschaffen den Fußballlehrern einen bislang nie erreichten Kenntnisstand über die Qualitäten des Konkurrenten. Entscheidend ist es hierbei den ohnehin vorhandenen subjektiven Eindruck durch objektive Kriterien zu ergänzen.

Die Tatsache, dass nicht jeder Trainer auf die virtuelle Unterstützung zurückgreift verdeutlicht aber auch, dass die Datenanalyse in erster Linie ein Hilfsmittel darstellt. Ohne Einsatz, Körpersprache, Passgenauigkeit oder das nötige Glück führt auch die beste Analyse nicht zum ersehnten Titel.

Fußball als Analogie zum Wirtschaftsleben

Der Fußball ist nicht nur eines der populärsten Beispiele für die Nutzung von Daten, sondern er kann als Analogie zu Wirtschaft und Industrie dienen. Auch hier zieht „Be data driven“ zunehmend in die Unternehmensphilosophie ein. Fußballtrainer und Businessentscheider eint das Streben nach Erfolg. Daten können der Schlüssel dazu sein. Das eigene Unternehmen als die Mannschaft, Produktionsprozesse als Laufwege der Industrie und aussagekräftige Marktanalysen als Scouting. Die Anwendungsgebiete in denen Datenanalysten neue Potenziale nutzbar machen können sind nahezu unbegrenzt:

  • Prognosen zur Personalbedarfsplanung auf Basis vergangener Serviceanfragen
  • Vorausschauende Maschineninstandhaltung durch die Analyse von Maschinendaten
  • Ermittlung von Kundenpräferenzen durch Social Media Monitoring
  • Optimierte Vertriebsaktivitäten durch strukturierte Datenbanken

Wie auch im Fußball sind Daten für die von Bedeutung, die sich einen Wettbewerbsvorteil verschaffen wollen. Auch hier treffen aber Verfechter und Gegner der analytischen Datennutzung aufeinander.  Schlüsselkriterium für beide Seiten ist im Fußball, wie auch in der Wirtschaft die Datensicherheit. Erlangen Gegner und Wettbewerber Einblick in die datengestützten Erkenntnisse verpuffen die angestrebten Erfolgsaussichten.

Während der Weltmeisterschaft treffen die besten Teams aufeinander und vielleicht ist die Datenanalyse ein entscheidendes Puzzleteil im Erfolgskonzept der Mannschaft, die am 13. Juli den Pokal in den Himmel von Rio recken darf.  Um es mit Franz Beckenbauer zu halten: „Technologie schießt keine Tore, aber sie kann dabei helfen, mehr Tore zu schießen.“


Tobias Titze - Beitrag vom 02.06.2014

Tobias Titze betreut seit 2013 das Marketing der eoda GmbH. Seine tägliche Aufgabe ist der Brückenschlag zwischen einem komplexen Thema und den Anforderungen des Marktes. Er interessiert sich für Daten und Algorithmen und begeistert sich für die Vorteile, die sich für Unternehmen daraus ergeben.

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